Sternquarze vom Unteren Hauenstein
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Sternquarze aus der Gegend des Unteren Hauensteins BL/SO
Der Jura im Nordwesten der Schweiz bietet mehr Mineralienfundstellen als Allgemein bekannt ist. Zahlreiche Feldbegehungen lieferten neue Vorkommen, die hier in einer losen Folge vorgestellt werden. Quarz ist immer ein Thema, beginnen wir folglich mit den Quarzkristallen aus dem Gebiet des Unteren Hauensteins in den Kantonen Baselland und Solothurn.
Bis heute war vor allem der Steinbruch in La Neuveville/BE für seine Vorkommen von Sternquarzen bekannt (Szabo, G. & Opizzi, M., 1971). Als Sternquarze werden Quarzaggregate bezeichnet, deren Quarzkristalle von einem zentralen Keim aus radial-, bzw. sternförmig gewachsen sind.
Dass diese in ähnlicher Ausbildung auch im Gebiet des Unteren Hauensteins zu finden sind, ist nicht ganz neu, das Ausmass der Vorkommen hingegen schon. Diese konnten dank des folgenden, unscheinbaren Hinweises eines Sammlers entdeckt werden.
«An der Hauensteinstrasse, in der Kurve, wo die Strasse nach Wisen abzweigt, gibt es Quarzkristalle». Quarz im Jura, einfach so herumliegend? Klingt verlockend, jedoch auch etwas unglaubwürdig, trifft man Quarz in diesem Gebiet doch vor allem in Hohlräumen von Fossilien an. Und wie es bei den Mineraliensammlern so ist, lösen solche Information eine innere Unruhe aus – es könnte ja sein, dass dort wirklich etwas zu finden ist. Zur Beruhigung wird deshalb der Fundort, er liegt nur wenige Kilometer von mir entfernt, schon bald besucht.
Die Überraschung: Läufelfingen/BL, Ghei (Kurve)
2'632'660 / 1'248'980, 629 m ü. M.
Der anstehende Fels im Bereich der erwähnten Kurve wurde durch den Ausbruch für die Hauensteinstrasse freigelegt, ist gut sichtbar und leicht zu erreichen. Der Zugang wird nur durch die stark befahrene Strasse etwas erschwert. Am Fusse des tafelig aufgebauten Felsens liegen zahlreiche, durch die Erosion losgelöste Gesteinsbrocken. Eine gute Gelegenheit, diese näher zu betrachten. Gesteine mit calcitischen, weissen Adern deuten auf mögliche Mineralien hin und werden vom Autor bearbeitet. Ein leicht bituminöser Geruch verbreitet sich. Bereits nach wenigen Schlägen öffnen sich kleine mit rhomboedrischen Calcitkristallen belegte Drusen, und bald gesellen sich auch schneeweisse, unförmige oder igelartige Quarzaggregate bis 6 mm Durchmesser hinzu. Die Innenwände der unregelmässigen Drusen zeigen einen dunkelbraunen Belag, vermutlich aus fossilen Bitumenresten, was den typischen Geruch beim Bearbeiten des Gesteins erklärt. Mit der Bearbeitung weiterer Blöcke ändert auch die Vielfalt der Aggregate. Die Drusen werden grösser, enthalten Quarz, Calcit oder beides. Oft sind die Aggregate vollständig von Calcit überwachsen, in diesem eingewachsen, oder lagern als leuchtend weisse Massen im dolomitischen Gestein. Drusen sind zahlreich und können im ganzen Anstehenden beobachtet werden.
Es ist nicht empfehlenswert, das anstehende Gestein zu bearbeiten, da dies zu brüchig ist. Zum Schutz vor herunterfallenden Steinen wurde der Hang mittels Maschendrahtgitter gesichert. Vereinzelt rutscht jedoch Gestein unter dem Gitter durch und kann dort begutachtet werden. Nach links werden die Drusen immer kleiner und seltener, rechts des Gitters fehlen sie gänzlich.
Calcit: recht klein, undurchsichtig und gerne als Überzug auf den Quarzaggregaten oder massig als Füllungen ehemaliger Hohlräume und Spalten. Das rhomboedrisch oder skalenoedrisch ausgebildete Mineral tritt praktisch in allen Drusenräumen auf.
Quarz: weiss bis klar und durchsichtig, aggregiert zu grösseren Gebilden, gerne auch als stern- oder igelförmige Aggregate bis 1 cm Durchmesser und selten auch grösser. Feinste Quarzkristalle bilden eine kugelige Masse, die gegen aussen mit grösser werdenden Kristallen überwachsen wird. Diese können strahlig oder wirr angeordnet sein und erwecken den Eindruck von sternartigen Gebilden, ähnlich den Sternquarzen von La Neuveville. Sie weisen jedoch einen vom Kern ausgehenden Aufbau auf und finden sich im «Portland-Kalk» der Twannbach-Formation (oberer Malm).
Wir bewegen uns hier aber in deutlich älteren Gesteinen des Trigonodusdolomits aus dem oberen Muschelkalk (Schinznach-Formation, Stamberg-Member). Die jeweiligen Aggregate unterlagen wahrscheinlich unterschiedlichen Bildungsbedingungen, was zu den verschiedenen Ausbildungen führte.
Die Vermutung lag nahe, dass bei anderen Vorkommen von Trigonodusdolomit ähnliche Kristallisationen erwartet werden können. Der geologische Atlas 1:25’000 lieferte dann die notwendigen Informationen zur Lage dieser Gesteinsschichten.
Eine grossflächige Dolomitbank dehnt sich vom Südwesten des unteren Hauenstein weiter in nordöstlicher Richtung bis in den Aargauer Jura aus. Sie tritt insbesondere nördlich der Jura-Hauptüberschiebung, im Bereich der sogenannten «Schuppenzone des Muschelkalkes», vermehrt zu Tage.
Die Erkenntnisse, dass der Trigonodusdolomit nicht sehr witterungsbeständig ist, vereinfachte das Suchen möglicher Mineralienvorkommen erheblich. Flaches Gelände ist verwachsen und präsentiert sich als Wiese oder Wald, Funde sind kaum möglich. Interessanter sind hingegen Abbrüche, Wasserläufe, steiles Gelände oder einfach felsiges Gebiet. Ausgedehnte Feldbegehungen führten dann auch zu den folgenden neuen Quarzvorkommen.
Läufelfingen, Ghei (Kurve). Anstehendes an der Hauensteinstrasse.

Läufelfingen, Ghei (Kurve). Quarzdruse 35 mm, Doppelender 5 mm.

Läufelfingen, Ghei (Kurve). Quarzdruse, Sternquarz 6 mm.

Läufelfingen, Ghei (Kurve). Sternquarz, Aggregat 20 mm.
Läufelfingen/BL, Unterer Hauenstein, Reisen
2'632'425 / 1'248'223, 682 m ü. M.
Diese Fundstelle befindet sich ebenfalls direkt an der Hauensteinstrasse, von Läufelfingen herkommend, linksseitig, knapp 400 Meter vor der Passhöhe. Kurz bevor der Fels in den Grund absinkt, sind noch anstehende Schichten des Trigonodusdolomits zu sehen. In einigen dieser Schichten, vor allem im den oberen, sind quarz- und calcithaltige Drusen bis 18 cm Ausdehnung eingelagert. Die harten Bänke können kaum bearbeitet werden, zudem besteht die Gefahr, dass lose Blöcke bis auf die Strasse rollen. Funde sind in der Halde noch möglich, wenn auch in kleineren Dimensionen.

Läufelfingen, Reisen. Trigonodusdolomit mit Drusen, direkt an der Hauensteinstrasse.

Läufelfingen, Reisen. Quarz mit Calcit, Stufenbreite 17 cm.

Läufelfingen, Reisen. Quarz, Calcit, Stufe 63 mm.
Calcit: braune bis honigbraune Rhomboeder-ähnliche Kristalle bis 15 mm und meistens mit Auflösungserscheinungen. Die Calcitkristalle dieser Fundstelle sind nicht nur in ihrer Grösse, sondern auch in der Farbe stark abweichend gegenüber anderen Vorkommen im Trigono-dusdolomit, deren Kristalle kaum mehr als 2 mm erreichen und stets farblos oder milchig-weiss sind.
Quarz: weisse, sternförmige Aggregate bis 12 mm Durchmesser oder als halbdurchsichtige Einzelkristalle bis 5 mm. Einzelne Drusen weisen auffällig viele, verheilte Quarzsplitter auf.

Läufelfingen, Reisen, Quarz, Calcit, Stufe 75 mm.

Läufelfingen, Reisen, Quarz, Calcit, Quarzsterne 3 mm.
Die Schönsten: Wisen/SO, Mülacker
2'634'525 / 1'249'820, 658 m ü. M.
Diese neu entdeckte Fundstelle liegt in wenig steilem, bewaldeten Gelände, gegenüber des auffälligen Steinbruchs an der Strasse. Hier liegen drusenhaltige Brocken verstreut im Wald. Die besten Funde stammen aus dem Bereich des im oberen Waldteil liegenden Feldweges. Wir bewegen uns hier auf dem Gebiet des Kantons Solothurn, die Verordnung über den Schutz von Fossilien und Mineralien ist zu beachten.[HPS1]
Quarz: weiss bis klar, öfters in blasenartigen, dunkelbraun ausgekleideten Hohlräumen. Unförmige Aggregate treten etwas zurück. In den ca. 12 cm dicken Steinplatten können mehrere Drusen mit Sternquarzen nebeneinander auftreten. Von dieser Fundstelle stammen die schönsten und grössten Sternquarze, die bis 18 mm Durchmesser erreichen und sich mit dem dunklen Hintergrund (vertrocknetes Bitumengemisch) fantastisch präsentieren. Als Begleitmineral kann Calcit aufgeführt werden.

Wisen, Mülacker. Sternquarz in mehreren Drusen. Stufe 17 cm.

Wisen, Mülacker. Sternquarz, Druse 45 mm.

Wisen, Mülacker. Sternquarz 18 mm.
Die Grössten: Wisen/SO, Wisenbach
2'634'330 / 1'249'635, 643 m ü. M.
Auf dem Gemeindegebiet von Wisen kann anstehender Trigonodusdolomit besonders schön nordöstlich des Ortes im Bereich des Wisenbaches beobachtet werden. Der wenige Meter oberhalb des Baches anstehende Fels zeigt dieselbe Bankung wie bei den vorherigen Fundstellen Ghei und Reisen. Die Drusen, diewelche nur in einzelnen Lagen vorkommen, sind hier unregelmässig, nie blasenartig. Sie erreichen Dimensionen bis 15 cm und werden von reichlich Quarz dominiert. Calcit tritt etwas zurück.
Quarz: massig, milchigweiss bis klar, gelegentlich überdeckt von Calciten. Diese Fundstelle lieferte die grössten Quarzaggregate.

Wisen, Wisenbach. Anstehender Fels wenige Meter oberhalb des Baches.

Wisen, Wisenbach. Quarz, Stufenbreite 65 mm.
Zeglingen/BL, Melchstel
2'636'895 / 1'252'090, 671 m ü. M.
Von Zeglingen führt in nordöstlicher Richtung gegen den Fluhberg hin ein tief eingeschnit-tenes Tälchen. Ab einer Höhe von ca. 670 m ü. M. steht auf der linken Strassenseite auf einer Länge von 450 Metern der Trigonodusdolomit an. Das steile Bord kann bis 60 mm grosse, quarzhaltige Drusen enthalten. Die im sandartigen grauen Gestein fast weiss leuchtenden Quarz-Calcitaggregate sind kaum zu übersehen. Der Beginn der Trigonodusdolomitzone fällt zusammen mit dem markanten Steinschlagschutz direkt an der Strasse.
Calcit: Dieses rhomboedrisch ausgebildete Mineral ist allgegenwärtig und belegt die Drusen-wände und die Quarzkriställchen rasenartig. Vom Wegsäuren des Calcits wird abgeraten, denn. vereinzelte Quarzkristalle sind im Calcit eingelagert und nicht dem Gestein aufgewachsen. Sie gehen somit beim Säuren verloren. Zudem erscheinen die angeätzten Flächen des Calcits und des Gesteins in einem unnatürlichen, fettartigen Glanz.
Hornstein: Im ganzen untersuchten Gebiet konnten Hornsteinlagen im Trigonodusdolomit nur hier festgestellt werden. Diese erreichen eine Mächtigkeit von 4 cm, sind spröde und ohne quarzhaltige Drusen, wie sie in der Region Eiken vorkommen.
Quarz: Vom schneeweissen Quarz zeigen sich nur vereinzelte Flächen zwischen den zahlreichen kleinen und ebenfalls weissen Calcitkriställchen, welche die den Quarz rundum belegen und dadurch zu einem fast kugeligen Gebilde führen. Die Kristalle erreichen nur 3 bis maximal 4 mm Grösse.

Zeglingen, Fundstelle Melchstel.

Zeglingen, Melchstel. Calcit-Quarz-Druse. Drusenbreite 60 mm.

Zeglingen, Melchstel. Mit Calcit überwachsener Quarz. Bildbreite 35 mm.
Weitere Vorkommen von Sternquarz:
- Eptingen/BL, Schmutzberg
Leuthardt schreibt 1931: «In dem Dolomit des obern Muschelkalks vom Schmutzberg beim Bölchen treten in Hohlräumen, die mit rhomboedrischen Kalkspatkryställchen ausgekleidet sind, gelegentlich auch milchigweisse Quarzkristalle mit doppelt ausgebildeter Pyramide auf.» Neuere Fund sind nicht bekannt.
Leuthardt schreibt 1931: «In dem Dolomit des obern Muschelkalks vom Schmutzberg beim Bölchen treten in Hohlräumen, die mit rhomboedrischen Kalkspatkryställchen ausgekleidet sind, gelegentlich auch milchigweisse Quarzkristalle mit doppelt ausgebildeter Pyramide auf.» Neuere Fund sind nicht bekannt.
Auch Müller (1862) erwähnt aus der gleichen Zone: «An verschiedenen Stellen, so beim Neuhäusle (heute Neuhaus, Eptingen) und bei Murren über dem Eisenbahntunnel (heute Ober Muren, Läufelfingen) ist der Gryphitenkalk in einen ausgezeichneten körnigen Dolomit umgewandelt worden, wobei die Gryphiten ihre Schalen eingebüsst haben. An ihrer Stelle erscheinen vereinzelte Bitterspath- und Quarzkrystalle.» Früher hatte Dolomit auch die Be-zeichnung Bitterspath, er schmeckt jedoch nicht bitter.
- Küttigen/AG, Bernhalde
2’645’280 / 1’254’170, 680 m ü. M.
2’645’280 / 1’254’170, 680 m ü. M.
Vom Bänkerjoch führt eine Waldstrasse durch die Bernhalde zum östlich gelegenen Herzberger-Hof. Nach einer leichten Steigung verläuft der Weg nach ca. 500 Metern wieder abwärts. Von hier aus kann am linken Wegbord auf einer Strecke von ca. 150 Metern der Trigonodusdolomit beobachtet werden. Dabei zeigen einzelne Brocken die für dieses Gebiet typischen blasen-artigen Calcitdrusen, die ab und zu Quarzaggregate in kugeliger oder unregelmässiger Form bis 3 cm enthalten.

Küttigen, Bernhalde. Sternquarz 20 mm.

Küttigen, Bernhalde. Calcit, Quarz. Bildbreite 87 mm.
- Rohr bei Olten/SO, Leutschenberg
2'637'795 / 1'251'480, 870 m ü. M.
2'637'795 / 1'251'480, 870 m ü. M.
Die schon seit längerem bekannten Quarze vom Leutschenberg können nicht genau zuge-ordnet werden, dürften aber aus der Dolomitzone südlich unterhalb des Leutschenbergs stammen.

Rohr bei Olten, Leutschenberg. Sternquarz 16 mm.
Literaturhinweise:
- Leuthardt F., 1931, Archäologie und Museum. Über das Naheliegende. Die Mineralien des Basler Jura. Ein Beitrag zur Heimatkunde von Baselland. Heft 002, Seite 44
- Müller, A., 1862, Beiträge zur geologischen Karte der Schweiz. Geognostische Skizze des Kantons Basel und der angrenzenden Gebiete
- Perner A. & Perner E., 2022, Mineralienvorkommen im Aargau
- Perner A. & Perner E., 2025, Mineralienvorkommen von Basel bis Solothurn
- Rykart R., 1989, Quarz-Monographie, Ott Verlag
- Szabo, G. & Opizzi, M., 1971, Quartz-étoile. Carrière de Neuveville, Jura bernois; Schweizer Strahler; 1971, Seite 142 - 143
- Leuthardt F., 1931, Archäologie und Museum. Über das Naheliegende. Die Mineralien des Basler Jura. Ein Beitrag zur Heimatkunde von Baselland. Heft 002, Seite 44
- Müller, A., 1862, Beiträge zur geologischen Karte der Schweiz. Geognostische Skizze des Kantons Basel und der angrenzenden Gebiete
- Perner A. & Perner E., 2022, Mineralienvorkommen im Aargau
- Perner A. & Perner E., 2025, Mineralienvorkommen von Basel bis Solothurn
- Rykart R., 1989, Quarz-Monographie, Ott Verlag
- Szabo, G. & Opizzi, M., 1971, Quartz-étoile. Carrière de Neuveville, Jura bernois; Schweizer Strahler; 1971, Seite 142 - 143
